Verzweifelt- vergrößerter Blinder Fleck

  • Verzweifelt- vergrößerter Blinder Fleck

    Hallo,
    nach etlichen Arztbesuchen bin ich ziemlich verzweifelt und hoffe vielleicht hier auf Rat oder ähnliche Fälle stossen zu können.
    Ich bin 21 Jahre alt, habe Netzhautschäden (aber das ist ein anderes Thema) und habe seit September ein großes, kriselndes Skotom, da wo die Papille ist.
    Beim Neurologen und in der Funduskopie konnte man zunächst nichts festellen, auch das Gesichtsfeld schien normal, der blinde Fleck ist leicht vergrößert. Augendruck ok. Die Augenärztin sah keinen Grund zur weiterbehandlung. Bis jetzt ist der Fleck nach wie vor da (Autos verschwinden kurzzeitig darin) und ich mache mir nach einigen Recherchen doch sorgen, das mein Sehnerv schaden nimmt durch was auch immer. Sonst wäre ja dieser krisel Fleck nicht da. Ich habe Angst das mein Sehnerv abstirbt und glaube das damit etwas nicht stimmt, leider findet in den ambulanten Praxen keiner was. Die Ärztin überwies mich in eine Klinik- versprechen das ich noch vor Weihnachten dran komme, aber die Klinik vegibt den Termin erst im Februar.
    Wie lange würde es dauern bis mein Sehnerv abstirbt?

    LG Luna :(
  • Hallo Luna,

    diese Frage kann Ihnen hier im Forum niemand beantworten. Das kann nur ein erfahrener Neuroopthamologe. In den Praxen der niedergelassenen Augenärzten hat man garnicht die Möglichkeiten dieses seltenen Krankheitsbilder genauer zu untersuchen.

    Hierfür benötigt man ein Elektrophysiologisches Labor um die noch vorhandenen Rest- bzw. Reizantworten der Sehnerven und der Netzhaut abzuleiten. Diese Möglichkeiten bieten nur einige wenige Augenkliniken in Deutschland an. Eventuell könnte es sich auch um eine genetische Ursache handeln. Mögliche Zentren die dafür ausgestattet sind eine sichere Diagnose zu stellen sind:

    Universitätsaugenklinik Tübingen
    medizin.uni-tuebingen.de/augenklinik/

    Universitätsaugenklinik Gießen
    Ophthalmogenetische Sprechstunde
    Diagnostik
    und Therapie von erblichen Augenerkrankungen und humangenetische
    Beratung dieser Erkrankungen, elektrophysiologische Diagnostik bei
    Erkrankungen der Netzhaut und der Sehbahn

    Ansprechpartner Oberarzt Dr. med. Christoph Friedburg

    ukgm.de/ugm_2/deu/ugi_aug/ugi_aug_team.php?id=195

    Universitätsaugenklinik
    Professor Frank G. Holz
    augenklinik.uni-bonn.de/


    oder Professor Kellner in Siegburg Bonn

    augenzentrum-siegburg.de/


    Andere Augenkliniken verfügen nicht über das Wissen und die Ausstattung zu dieser Erkrankung. Ich bin selbst bei Dr. Friedburg in Gießen nach einer 35 jahrelangen Odyssee gelandet der mir dann vor 4 Wochen endlich eine richtige Diagnose gestellt hat. Vor allen Dingen wird dir als Patient dort alles genauestens erklärt.
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    Viele Grüße von
    Lars-Michael

    Glaukom/Grüner Star-Selbsthilfe
  • Hallo Lars-Michael,

    um welche Diagnose hat es sich denn bei Ihnen gehandelt?
    Leider sieht meine Ärztin keinen Grund mich zu einer solchen Sprechstunde zu überweisen, das höchste der Gefühle ist ein Termin in der Augenklinik Radebeul, dieser ist im Februar.
    Werde ich mein Augenlicht verlieren? Da Sie geschrieben haben das die noch vorhandenen Nerven des Sehnerven getestet werden müssen. Das macht mir sorge. Meine Ärztin meinte das Auge wird nicht erblinden, aber sie weiss ja nichtmal was es ist.
    Das wäre das grausamste für mich. Ich habe noch nicht einmal meine Ausbildung abgeschlossen.
    Trotzdem vielen Dank für Ihre Antwort.
  • Hallo Luna46,

    das ist eine lange Geschichte. Ich versuche es mal kurz zu machen. Seit Oktober 1981 wurde ich wegen meiner Gesichtsfeldausfälle auf Glaukom behandelt, da man diese Ausfälle nur mit einem Glaukom in Verbindung brachte. Nach einer Klinik Odyssee durch halb Deutschland (Braunschweig, Göttingen, Dresden, Köln, Würzburg, Halle an der Saale, Magdeburg und Dortmund) stellt sich im Sommer 2016 heraus das ich überhaupt keinen Glaukomschaden habe sondern eine erbliche Netzhauterkrankung. Die Klinik in Neubrandenburg verwies mich an die Universitätsaugenklinik in Gießen und dort diagnosizierte man eine Tapetoretinale Netzhautdegeneration. Diese Erkrankung ist so selten das es in Deutschland ca. 50 Betroffene gibt. Diese genetische Erkrankung ist aber nicht das eigenliche Problem. Durch die vielen Glaukomoperationen u.a. auch mit dem Laser wurde mehrfach die Netzhaut, die Makula und die Fovea (Stelle des schärfsten Sehens) verbrannt.

    Ob Sie ihr Augenlicht verlieren kann Ihnen nur ein Augenarzt sagen der die Reizantworten der Netzhaut ableiten kann. Die nächstgelegene Klinik in Sachsen ist die Univeristätsaugenklinik in Leipzig die über solch eine Fachabteilung verfügt. Ein normaler Augenarzt ist bei solch einer Fragestellung auf deutsch gesagt überfordert.

    Ich würde an ihrer Stelle folgendermaßen vorgehen. Einfach mit der Klinik in Leipzig Kontakt aufnehmen, denen in einer E-Mail den Sachverhalt schildern und vorhandene Befundberichte (der Augenarzt muss Ihnen Kopien davon aushändigen, auch gegen Bezahlung der Kopierkosten) mit zusenden und deren Einschätzung bzw. Antwort abwarten und dann vom Augenarzt eine Überweisung in diese Spezialsprechstunde ausstellen lassen - notfalls auch vom Hausarzt falls der sich weigert.

    augenklinik.uniklinikum-leipzig.de/sprechstunden.php?id=12
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    Viele Grüße von
    Lars-Michael

    Glaukom/Grüner Star-Selbsthilfe
  • Hier ein kleines Update zu meiner bisherigen Situation:
    Ich war nochmals beim Augenarzt um über Leipzig als eine Option zu sprechen und die Papille sowie das Gesichtsfeld wurden auch nochmal untersucht- wieder ohne Befund. Die Praxis wollte mir keine Befunde rausgeben wenn es von ihnen aus keinen Grund zum überweisen gibt. Ich bin zum Hausarzt gegangen- sie war schockiert und gab mir eine Überweisung zum Neurologen der eine ähnliche Untersuchung durchführen soll, allerdings mit Verdacht auf Multiple Sklerose/ Sehnervenentzündung.
    Meine Symptome bestehen seit 4 Monaten- sollte mein Auge im Falle einer Sehnervenentzündung nicht schon vollständig zerstört sein? Das Gesichtsfeld zeigt nichtmal einen minimalen Ausfall.
    Oder kommt das erst nach Behandlung dieser?
    Ich habe totale Ängste und weiss nicht wie lange es dauert bis die entsprechenden Untersuchungen weitergehen. Meines Erachtens ist das Auge bei einer Sehnervenentzündung von dieser dauer nicht mehr zu retten..
  • Erstmal beruhigen; ein Augenarzt kann schon recht gut feststellen ob MS vorliegt oder nicht (wenn das Auge betroffen wären). Die typischen Symptome hier sind Doppelbilder wenn beide Augen geöffnet sind, Sehen wie durch ein Milchglas, eingeschränktes Gesichtsfeld und/oder verlangsamte Reflexe der Pupillen. Das hat der AA sicher gemacht und du hast nichts davon.

    Ich selber wurde mit Verdacht auf MS vom AA und Neuro untersucht. AA hat mir im vorhinein schon gesagt dass er in den Augen keine Anzeichen von MS sehen kann und das wurde vom Neuro dann auch bestätigt. Geh trotzdem zum Neuro, schadet nie sich mal untersuchen zu lassen.
  • Hallo Luna46,

    bei einer Sehnervenentzündung vermindert sich die Sehleistung in sehr kurzer Zeit. Ich würde auch erst mal ruhig bleiben und weitere Untersuchungen abwaren. Manche Augenärzte schießen gerne über das Ziel hinaus und verunsichern dabei noch ihre Patienten.

    Hier eine sehr gute Info von Netdoktor zum Thema Sehnervenentzündung: netdoktor.de/krankheiten/sehnerventzuendung/

    Im Zweifelsfall lassen Sie sich nach Leipzig in die Neuroopthamoligsche Sprechstunde überweisen und stellen sich dort in Elektrophysiologischen Labor vor.
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    Viele Grüße von
    Lars-Michael

    Glaukom/Grüner Star-Selbsthilfe
  • Das hatte ich auch schon gelesen, aber ein bisschen Restangst bleibt trotzdem immer. Das Sie mir bestätigen, das das ganze wirklich in kurzer Zeit abläuft beruhigt mich jetzt aber etwas mehr.
    Zu meinem erschrecken musste ich aber festellen, das das betroffene Auge im dunkeln fast nichts mehr sieht. Ich werde versuchen erstmal in meiner Heimat einen Neurologentermin zu bekommen (um wenigstens ein Vpe machen zu lassen und nicht noch mehr Zeit zu verlieren) und ihn dann bitten mich nach Leipzig zu überweisen. Sicherlich wird die Zeit bis zu einem Termin dort lange sein, deswegen finde ich gut wenn vorher noch jemand darauf schaut.
    LG und frohe Weihnachten!
  • Ich denke auch nicht, dass es sich hierbei um eine Sehnerventzündung handelt. Ich hatte vor 2 Monaten eine Sehnerventzündung und die kam mega spontan. Innerhalb von zwei Tagen hatte ich starke Schmerzen im Auge und der Visus lag nur noch bei 60%, Tendenz sinkend.
    Es gibt zwar nichts was es nicht gibt, aber ich bezweifle ebenfalls, dass eine Sehnerventzündung 4 Monate andauert ohne, dass das betroffene Auge erblindet.

    Ich finde es auch völlig übertrieben wie manche Ärzte deswegen sofort Panik in Richtung MS schieben. Ja, SE's sind häufig Frühzeichen für MS, aber eben auch nicht immer. Mindestens genauso häufig wird nie eine Ursache gefunden. Ja, MS ist eine erstzunehmende Erkrankung, aber warum muss man direkt die Pferde scheu machen noch bevor alle relevanten Untersuchungen zum untermauern/entkräften des Verdachts durch sind?

    Dieser Beitrag wurde bereits 1 mal editiert, zuletzt von Kittie ()